- ein Leben für die Politik - 

„Spiel über Bande“ nennt der frühere MdB Ludwig Stiegler (SPD) eine Arbeitsweise Gustl Langs, mit der dieser - wiewohl strammer CSU-Mann - sich ungeniert über Parteigrenzen hinwegsetzte, wenn es der Sache respektive dem Menschen diente. Dieses „Spiel“ mußte allerdings hinter den Kulissen vonstatten gehen. Öffentlich erwischen lassen wollte sich der CSU-Minister nicht dabei, daß er die Parteigrenzen zu Zeiten derart zu verwischen bereit war. Und es gab für ihn diese Grenzen zum Beispiel zu den „Sozis“ ja auch tatsächlich, nur war Gustl Lang in der Lage zu erkennen, daß es „Sozis“ genau wie ihm um ein gemeinsames Ziel gehen konnte. Und dann erschien es ihm angeraten, der gemeinsamen Sache willen ein gemeinsames Spiel zu spielen. Das aber freilich so, daß es nicht ruchbar wurde.

 

Ein Beispiel für dieses „Spiel über Bande“ ist die Sulzbach-Rosenberger Maxhütte. Lang hat sich bei Stiegler wiederholt den Druck, die Schelte aus der Heimat „bestellt“, die er in München brauchte, um im Landtag den Fokus auf diesen Brennpunkt zu richten. Mit unschuldigem Blick berichtete der Minister am Montag von „unerhörten Anfeindungen“ in der Heimat, von Schuldzuweisungen an die Staatsregierung, die er mit Hilfe Stieglers lanciert hatte, und listete dann seine Forderungen zur Rettung der Maxhütte auf...

 

Nach seinem Ausscheiden aus dem Kabinett 1993 mußte Lang es nicht mehr ganz so genau nehmen mit seinem „Spiel über Bande“. Da durften die Heimatzeitungen dann immer häufiger von dem „Dreamteam“ Lang-Stiegler berichten, wenn es um Firmenpleiten ging. Der Minister a. D., der sich wie der „Mann von der anderen Feldpostnummer“ (Stiegler) einschaltete, wenn der Konkursverwalter erste Bilanz zog, machte zunehmend kein Hehl mehr daraus, daß das Zusammenspiel mit Stiegler und dessen überregionalen Kontakten nur im Sinne der jeweiligen Pleitefirma war. Und  eben dieses Zusammenspiel war eine Weile äußerst fruchtbar. Lang und Stiegler gelang es, Konkurse abzufedern, Arbeitsplätze zu halten. Aus der Windischeschenbacher Glasfabrik „Annahütte“ etwa wurde ein Unternehmen namens „Concorde“, das jahrelang noch viele „Gloserer“ aus der Gegend beschäftigte. Lang und Stiegler hatten die Annahütte bzw. Concorde viele Jahre als Dauerkandidaten auf ihren Schreibtischen, und Stiegler sagte später, er habe just an diesem Beispiel besonders viel in Sachen Betriebssanierungen von Lang gelernt. 

 

Stiegler, der größten Respekt vor Lang bekundet, sagt, ihn habe im Fall Annahütte vor allem dieses unablässige „Da- sein“ Langs für die Belegschaft, für die neuen Chefs beeindruckt. Da sei es nicht um schöne Reden gegangen, sondern um echte tatkräftige Hilfe. Und gerade der Fall Annahütte hat Stiegler so beeindruckt, daß er von sich sagt, er sei „ohne die Annahütte heute wohl ein anderer Politiker“. Ein großes Wort von einem sehr linken SPD-Mann in bezug auf einen CSU-Politiker, der sich zeit seines Ministerlebens - zumindest öffentlich - nicht eben durch übermäßige Liberalität ausgezeichnet hat.

Foto: Eichl (Lang und Stiegler bei einer gemeinsamen Veranstaltung)