- ein Leben für die Politik - 

Februar 2004: Empfang zum 75. Geburtstag in der Weidener Max-Reger-Halle. Foto: Karin Wilck

Gustl Lang hat immer wieder gesagt, am liebsten sei es ihm, einmal am Schreibtisch zu sterben. Ein Leben ohne seine tägliche Arbeit am Schreibtisch konnte er sich nicht vorstellen. Es wäre für ihn kein Leben mehr gewesen. Fast ist es ihm gelungen. Ums Haar wäre er am Schreibtisch gestorben. Als der Krebs entdeckt wird, ist es viel zu spät, noch irgend etwas dagegen zu tun. Lang bleiben gerade einmal vier Monate. Vier Monate zu viel, denn ihm wäre gewiß der Herzinfarkt über den Akten lieber gewesen, aber eben doch nur vier Monate, die er auch nur zum geringen Teil im Krankenhaus verbringt.

 

Am 26. Februar 2004 feiert er noch groß im Gustl-Lang-Saal der Weidener Max-Reger-Halle seinen 75. Geburtstag. Die Stadt hat für ihren Ehrenbürger einen Stehempfang ausgerichtet. Wirtschaftsstaatssekretär Hans Spitzner hält eine launige Rede: „Ich habe noch keinen erlebt, der so unschuldig dreinschauen kann, wenn er mal was angestellt hat.“ Am Ende sagt er, Gustl Lang sei gesund, obwohl er nie im Leben Sport getrieben habe (was nicht ganz stimmt) und Urlaub ein Fremdwort für ihn sei (was ganz und gar stimmt). Und er schließt: „Wir brauchen dich auch in Zukunft.“ Spitzners Anspielung auf Langs Gesundheit bekommt im Nachhinein einen prophetischen Beigeschmack. Dennoch ist es nur Wichtigtuerei, wenn sich nach Langs Tod Stimmen melden, die behaupten, damals schon von seiner Erkrankung gewußt zu haben. In Wahrheit weiß der an seinem Geburtstag viel Gelobte selbst noch nichts davon.

75. Geburtstag: Lang eingerahmt von Regierungspräsident Wilhelm Weidinger (links) und Weidens Oberbürgermeister Hans Schröpf.  Foto: Karin Wilck

Im Mai zeigt sich bei einer Routineuntersuchung im Klinikum, daß Lang voraussichtlich nicht mehr sehr viel Zeit bleibt. Am 29. September stirbt er im Klinikum. 

 

Die Beerdigung, beinahe ein Staatsbegräbnis, findet eine Woche später am 6. Oktober statt. Als Hauptredner hat sich Ministerpräsident Edmund Stoiber angeboten. Am Requiem in der Weidener St.-Josefs-Kirche nehmen außer Stoiber und Landtagspräsident Alois Glück Langs Nachfolger im Wirtschaftsministerium, Otto Wiesheu, Wissenschaftsminister Thomas Goppel und die damalige Kultusministerin Monika Hohlmeier teil, außerdem die früheren Minister Gerold Tandler, Karl Hillermeier, Gebhard Glück, Franz Neubauer, Georg von Waldenfels und Barbara Stamm sowie mehrere Staatssekretäre und Ex-Staatssekretäre. Unter den Trauernden ist auch der SPD-Landesvorsitzende Ludwig Stiegler, der mit Lang nach dessen Ausscheiden aus dem Kabinett ein eingespieltes Team gebildet hatte, das sich bei der Rettung angeschlagener Betriebe auflergewöhnlich gut ergänzt hat.

 

Die Predigt hält Pater Albrecht Herrmann, ein alter Freund des Verstorbenen; er zelebriert den Gottesdienst mit zwölf weiteren Geistlichen. Herrmann ist vor einer Woche erst an seinem eigenen 75. Geburtstag ans Sterbebett des Freundes geeilt, um dort ein letztes Vaterunser zu sprechen. Der Augustinerpater bezeichnet Lang als einen Menschen, der trotz hoher politischer Ämter nie abgehoben habe. Er habe sich vielmehr immer an den Leitsatz gehalten: „Für euch bin ich Minister, mit euch bin ich Mensch.“

 

Besonders herzliche Worte zum Abschied sprechen Landtagspräsident Alois Glück und Wirtschaftsstaatssekretär Hans Spitzner. Glück bezeichnet Lang als einen Menschen mit einem großen Herzen für Schwache und Benachteiligte. Er sei der „geborene Vermittler“ gewesen, sei aber als Fraktionsvorsitzender der CSU im Landtag auch sehr selbstbewußt gegenüber der Staatsregierung aufgetreten: „Dies vertrat er, lebte er mit Beharrlichkeit, mit Entschiedenheit und auch mit Schläue.“ Spitzner sagte: „Gustl war wie ein großer wuchtiger Eichenschrank, der mitten in der Oberpfalz stand und den niemand verrücken konnte.“ Ein Bild, das Lang selbst einmal gebraucht hat. 1993, als der erste Zorn über sein Ausscheiden aus dem Kabinett verraucht war, sagte er in einem Interview: „Die Eiche bleibt.“ Weidens damaliger Oberbürgermeister Hans Schröpf sagte: „Wir wollen und wir können uns nicht vorstellen, daß er nicht mehr dabei ist.“

 

Den Trauerzug zum Stadtfriedhof begleiten am Straßenrand viele Bürger, nicht nur aus Weiden, auch aus verschiedenen Landkreisgemeinden. Einer hält ein Schild: „Gustl, vergelt´s Gott! Deine dankbaren Oberpfälzer!“

 

Die Stadt Weiden, die bis dahin nur den Gustl-Lang-Saal in der Max-Reger-Halle hat, benennt ein gutes halbes Jahr nach Langs Tod die Wirtschaftsschule in „Gustl-Lang-Schule“ um. 

Foto: Karin Wilck