- ein Leben für die Politik - 

1929: August Richard Lang wird am 26. Februar in Eslarn (Lkr. Neustadt/WN) als viertes von elf Kindern der Eheleute Johann Baptist Lang und Anna Luise Selch geboren. Der Vater, ein Kaufmann, stammt aus Hirschau, die Mutter aus Eslarn. In seinem Geburtsort verbringt Gustl Lang die ersten acht Jahre seines Lebens.

 

1937: Die Familie Lang zieht nach Weiden i. d. OPf., bleibt Eslarn aber nach wie vor verbunden. Gustl Lang verbringt die Ferien - sogar noch als Student - in der Großfamilie seiner Mutter, die in Eslarn eine Schmiede, einen Laden und ein Lagerhaus betreibt. Unmittelbar vor Kriegsende, im April 1945, wird er - gerade 16 Jahre alt - von den Eltern zusammen mit zwei Nachbarsmädchen nach Eslarn geschickt. Die „Flucht“ glückt, die jungen Leute bleiben bis zum Hochsommer 1945 in Eslarn.

 

1946: Gustl Lang besucht die Oberrealschule für Buben in Weiden, wo er 1949 das Abitur macht. Er beginnt ein Studium der Rechtswissenschaft und der Volkswirtschaft an der Universität Erlangen und der Verwaltungshochschule in Speyer.

 

1959: Lang macht sich als Rechtsanwalt in Weiden selbständig. Ein Jahr später heiratet er Lisl Haberstumpf; 1961 wird die Tochter Gabriele geboren, 1963 der Sohn Hans-Peter. Lisl Lang-Haberstumpf hat von ihrem Vater das Gut Peugenhammer bei Pleystein geerbt; dazu gehört das Hotel Zottbachhaus, das im Lauf der folgenden Jahre berühmt werden soll als Treffpunkt für Politik und Wirtschaft, das aber gleichzeitig lange Zeit Rückzugsort Langs ist.

 

1966: Gustl Lang betritt mit 37 Jahren die politische Bühne. Er hat sich inzwischen einen guten Namen gemacht als Anwalt, engagiert sich in verschiedenen Vereinen und steht nun erstmals auf der Liste der CSU-Stadtratskandidaten. Er wird auf Anhieb gewählt. Von da an beginnt eine steile Karriere.

 

1970: Lang soll für die CSU den Stuhl des Oberbürgermeisters in Weiden erobern. Von Anfang an ein aussichtsloses Unterfangen, dennoch kämpft er mit viel Elan und allerlei neuen Ideen. Er bleibt auf der Strecke, hat aber dennoch gewonnen: die Unterstützung einer begeisterten Jungen Union im Landkreis Neustadt/WN. Und mit deren Hilfe wird er ein halbes Jahr später als Landtagskandidat nominiert. Am 25. November 1970 betritt er als MdL den bayerischen Landtag. Ministerpräsident ist der Oberpfälzer Alfons Goppel.

 

1974: Gustl Lang wird nicht nur von seinen Oberpfälzern wiedergewählt, die mächtige CSU-Landtagsfraktion macht ihn zu ihrem Vorsitzenden. Er hat sich in der ersten Legislaturperiode durch ungeheuren Fleiß Anerkennung verschafft und hat durch seine ganz eigene burschikose Art die Zuneigung vieler Kollegen gewonnen. 

 

1978: Lang erweist sich als ein Fraktionsvorsitzender, der der Fraktion mehr Gewicht und Einfluß gegenüber der Staatsregierung zu schaffen vermag. Zudem gelingt es ihm, die Fraktion noch enger zusammenzuschweißen. Ministerpräsident ist inzwischen Franz Josef Strauß, ein Mann, der in Langs Leben eine besondere Rolle spielen soll.

 

1982: Strauß beruft den Oberpfälzer, der in den vergangenen vier Jahren als Fraktionsvorsitzender nicht immer ganz bequem war, ins - deutlich mehr dem Ministerpräsidenten verpflichtete - Ministeramt. Der Rechtsanwalt Gustl Lang wird Justizminister. 

 

1986: Franz Josef Strauß betraut Lang mit einem der einflußreichsten Ministerien, hängt aber gleichzeitig ein Damoklesschwert über den Oberpfälzer. Lang wird Innenminister und muß als solcher in seiner Heimat gegen den erbitterten Widerstand seiner Landsleute die geplante Wiederaufarbeitungsanlage (WAA) in Wackersdorf (Lkr. Schwandorf) verteidigen. Es werden die schwersten Jahre seiner Politikerlaufbahn. Als Strauß zwei Jahre später überraschend stirbt, wird Max Streibl Ministerpräsident, und dieser beruft Lang ins Wirtschaftsministerium - mehr als eine Entschädigung für die vergangenen zwei Jahre. 

 

1988: Als Wirtschaftsminister findet Gustl Lang seine Berufung. In diesen Jahren kann er für seine Heimat so viel tun wie nie zuvor. Seine Heimatstadt Weiden erblüht am „goldenen Draht“ nach München. Das Ganze gipfelt in einer Fachhochschule, für die Lang im Landtag gar erfolgreich einen Herzanfall simuliert. Der Landkreis profitiert dementsprechend. 

 

1993: Umso jäher und schmerzhafter kommt die Abberufung durch den neuen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber. Streibl ist über die „Amigo-Affäre“ gestürzt. Und der damals 64jährige Oberpfälzer Lang ist Stoiber zu alt. Oder zu sehr mit den Namen Streibl und Strauß verhaftet, die in diesem Jahr zu oft ungut durch die Presse geistern. Lang zieht sich - ins Mark getroffen - ins Zottbachhaus zurück.  Schmollt eine Weile - und steht dazu. Bis er plötzlich wieder auf die politische Bühne tritt. Nun wieder ganz der Kommunalpolitik verbunden. Er kandidiert erneut als Stadtrat - und wird selbstverständlich auch gewählt; er baut einen Ost-West-Wirtschaftsclub auf, ein Dienstleistungszentrum für den Mittelstand - und er läßt all seine Verbindungen als Ex-Wirtschaftsminister spielen, um einer inzwischen arg kränkelnden heimischen Industrie wieder auf die Beine zu helfen. Mit Erfolg. Nebenbei eröffnet er seine Anwaltskanzlei wieder. Sitzt wie gehabt täglich, auch samstags und sonntags, von 8 bis 18 Uhr am Schreibtisch.

 

2004: Gustl Lang feiert im Februar noch einmal groß seinen 75. Geburtstag. Ein gutes halbes Jahr später ist er tot. Er hatte immer „am Schreibtisch“ sterben wollen, das ist ihm beinahe gelungen. Am 29. September stirbt er nach ganz kurzer schwerer Krankheit 75jährig im Klinikum Weiden. Er hatte sich gerade eben noch für ein Klassentreffen angemeldet. Die Stadt richtet ihm ein Staatsbegräbnis aus. Ministerpräsident Edmund Stoiber hält die Trauerrede. Die Menschen stehen Spalier, als der Sarg von der Josefskirche über die gesperrte Allee zum Friedhof getragen wird, einer hält ein Schild hoch: „Gustl, vergelt´s Gott! Deine dankbaren Oberpfälzer“