- ein Leben für die Politik -

Franz Josef Strauß und Gustl Lang - ein widersprüchliches Verhältnis. Als Strauß 1978 den Oberpfälzer Alfons Goppel, einen ausgesprochenen Förderer Langs, beerbt, erweist sich Lang weiterhin als sehr selbstbewußter Vorsitzender der CSU-Landtagsfraktion, obwohl er geholfen hat, Strauß ins Amt zu hieven. Lang hatte ein Vertrauensverhältnis zu seinem Landsmann Goppel, hatte als Fraktionsvorsitzender aber auch seinen Anteil daran, den Ministerpräsidenten von einer erneuten Kandidatur abzubringen. Die Fraktion hatte längst beschlossen gehabt, daß Goppel 1978 nicht noch einmal antreten sollte. Seinen Platz sollte der nach der SPIEGEL-Affäre nach Bayern zurückgekehrte frühere Bundesverteidigungsminister Franz Josef Strauß einnehmen. 

 

Zwei Jahre, nachdem Strauß Ministerpräsident geworden ist, versucht er sein Glück als Kanzlerkandidat. Vergeblich. Den Ärger über die verlorene Wahl muß immer wieder einmal Lang ausbaden. Der antwortet auf seine Art. Läßt an sich abprallen, was ihm nicht in den Kram paßt. Läßt auch den Ministerpräsidenten auflaufen, wenn es sein muß. Und so heißt es irgendwann, Lang sei nicht „unter“, sondern „neben“ Strauß CSU-Fraktionsvorsitzender.  Am Ende muß gar ein eigener Ausschuß zwischen Fraktion und Staatsregierung vermitteln.

 

1982 entledigt sich Strauß des unbequemen Fraktionsvorsitzenden: Er beruft ihn ins Kabinett. Macht den Rechtsanwalt zum Justizminister. Ein Ministerium, über das Strauß einmal gespottet hat: „Da streiten sich um elf der Minister und der Staatssekretär um den einzigen Brief, der gekommen ist.“ Aber die Rechnung geht nicht ganz auf. Lang fügt sich auch als Minister nicht wie gewünscht in die Kabinettsdisziplin. Legendär ist das vielfach zitierte Autotelefonat zwischen Strauß und Lang, in dem Letzterer das erregte Gespräch mehrmals unterbricht mit Verweis auf diverse Tunnels: „Jetzt kommt wieder ein Tunnel, ich versteh´ dich ganz, ganz schlecht…“ Es gibt nachweislich auf dieser Strecke bis heute keinen einzigen Tunnel. Das Gespräch ist verbürgt. Landtagspräsident Alois Glück erinnert sich, daß Kollegen damals mitgehört hätten. Lang läßt auf solche und ähnliche Weise mehrfach den Zorn des Ministerpräsidenten an sich abprallen. Strauß´ Erregung legt sich seinem Naturell gemäß ebenso schnell wieder, wie sie entstanden ist. 

 

Lang bleibt also unbequem. Strauß sagt einmal über den Oberpfälzer, dieser habe „die Sturheit eines mazedonischen Lastesels und die Dickhäutigkeit eines indischen Urwaldelefanten“. Im Nachhinein klingt das eher nach einem Kompliment als nach einer Beleidigung. Und vermutlich war es genauso gemeint. Denn im Grunde stehen sich der Ministerpräsident und der Minister aus der Oberpfalz sehr nahe. Obwohl sich die Gemeinsamkeiten auf das barocke Äußere beschränken. Denn der Genußmensch Strauß hat wenig mit dem Arbeitstier Lang gemein, das seit Jahren das Wort „Urlaub“ aus seinem Wortschatz gestrichen hat. 

 

Und so ist Lang der erste, der 1984 an Strauß´  Seite ist, nachdem dessen Frau Marianne 54jährig bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist. Und er ist auch der erste aus dem Kabinett, der am 1. Oktober 1988 in Regensburg ist, als Strauß bei einem Jagdausflug beim Fürsten von Thurn und Taxis zusammenbricht und zwei Tage später stirbt.